16. European Energy Markets Observatory: EU-Maßnahmen reichen nicht, um Europa sicher mit Energie zu versorgen

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Blick auf deutschsprachigen Raum zeigt, dass Energiewende auf Schwierigkeiten stößt
Wien, 29. Oktober, 2014 – Die europäischen Gas- und Elektrizitätsmärkte bleiben 2014 weiterhin unruhig, insbesondere wegen des Rückgangs der Großhandelsstrompreise. Als Gegenmaßnahme hat die EU-Kommission neue Ziele und Vorschriften definiert, die allerdings immer noch nicht ausreichen, um die Märkte nachhaltig zu stabilisieren. In Teilen der EU ist eine sichere Energieversorgung in diesem Jahr gefährdet, für das kommende Jahr wächst die Unsicherheit. Die Situation könnte sich zusätzlich verschärfen, wenn die geopolitische Lage zwischen Russland und der EU angespannt bleibt. Innerhalb dieser schwierigen Rahmenbedingungen hat sich die finanzielle Situation der meisten Energieversorger dennoch stabilisiert. Zu diesem Schluss kommt die 16. Ausgabe des „European Energy Markets Observatory“ (EEMO), die von Capgemini in Zusammenarbeit mit Natixis, dem CMS Bureau Francis Lefebvre und dem Think Tank VaasaETT erstellt wurde.

Schnelle Änderungen der EU-Gesetze für Strommärkte sind dringend nötig
Die EU-Kommission ist sich der Notwendigkeit von Reformen bewusst und hat entschieden, ihre Energie und Klimapolitik zu ändern. Am 23. Oktober 2014 entschied die Kommission, eine mindestens 40 prozentige Reduktion der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 zum Hauptziel für die Mitgliedsstaaten zu festzulegen. Auf Ebene der Europäischen Union soll der Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2030 auf 27 Prozent steigen - von 14,1 Prozent im Jahr 2012.

„Mit der Verabschiedung des aktuellen Klima- und Energiepakets versucht die EU-Kommission bislang falsch gesetzten Marktanreizen zu begegnen“, sagt Andreas Weiler, Leiter Energiewirtschaft bei Capgemini Consulting. „Die Effekte hieraus werden jedoch noch mehrere Jahre auf sich warten lassen. Ohne schnelle und tiefgreifende Änderungen werden negative Stromgroßhandelspreise weiterhin auftreten. Es besteht die Gefahr, dass sogar neue Gaskraftwerke stillgelegt werden.“

Es wird schwierig sein, die für die Strominfrastruktur notwendigen Investitionen zu finanzieren, die sich auf 2.200 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2035 belaufen.

Die europäische Gasversorgung ist zu instabil  
30 Prozent des in Europa verbrauchten Gases stammt aus Russland. Da die Hälfte dieses Gases über die Ukraine fließt, haben die Beziehungen zu Russland direkte Auswirkungen auf die Gasversorgung. Als Konsequenz aus der Krise zwischen Russland und der Ukraine, hat Gazprom seine Lieferungen in das Land eingestellt, was bereits die dritte Kürzung in acht Jahren bedeutet. Falls die diplomatischen Beziehungen zwischen der EU und Russland gespannt bleiben, könnte die Gasversorgung solcher EU-Länder in diesem Winter gefährdet sein, welche ausschließlich oder hauptsächlich aus Russland beliefert werden.
Der EEMO gibt vier Handlungsempfehlungen, um die Sicherheit der Gasversorgung in der EU zu verbessern:  Die Erlaubnis der Erforschung und Förderung von Schiefergas, die Erhöhung der Importe von flüssigem Erdgas (LNG), die Erweiterung der Speicherkapazitäten sowie die Förderung von Pipelines außerhalb russischen Bodens. Großbritannien und einige osteuropäische Länder haben die Erforschung von Schiefergasvorkommen gestartet. Deutschland, das durch seine Gaseinkäufe stark von Russland abhängig ist, plant, ein Gesetz, um "Fracking" zu ermöglichen, was ein geteiltes Echo der Bevölkerung hervorruft.

Energieversorger müssen digital denken, um sich weiterzuentwickeln
„Horizont 2020“, das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der EU, erkennt Datensammlung, -verarbeitung und -nutzung als Schwerpunkte in allen Wirtschaftsbereichen, einschließlich des Energiesektors, an.

"Gerade in Zeiten der Unsicherheit sollten Energieversorger das volle Potential der digitalen Revolution für eine nachhaltige Veränderung nutzen", meint Andreas Weiler. „Die Transformation zum ‚Digitalen Energieversorger‘ ermöglicht eine weitaus höhere Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit und ist Voraussetzung in Zukunft zu Gewinnern im Markt zu gehören“, so der Experte.

Blick auf Deutschland: Energiewende stößt auf Schwierigkeiten    
Die Energiewende in Deutschland ist im Jahr 2011 gestartet. Der Strompreis für Privathaushalte ist dabei deutlich (57 Prozent) zwischen 2006 und 2013 angestiegen, so dass er in Deutschland derzeit doppelt so hoch ist wie in Frankreich. Darüber hinaus hat der starke Ausbau von Solar-und Windkraft hohe Investitionen im Netzausbau verursacht, um den Strom von den Windparks in der Nordsee weiter in die Industrieregionen im Süden Deutschlands zu transportieren. Um weitere Strompreiserhöhungen zu begrenzen, hat der Bundestag im August 2014 beschlossen, die Förderung erneuerbarer Energien zu reduzieren und die Steuerbefreiung für große energieintensive Industriezweige zu begrenzen.

Auf dem deutschen Markt erwarten die Kunden mehr Serviceleistungen, wie ein Energiemanagement, von ihren Stromanbietern. Zudem haben sich die Kunden vom Konsumenten zum Produzenten mit Hilfe von Solar und Windenergie entwickelt, in Deutschland gibt es etwa 6,35 Millionen dieser sogenannten Prosumer. Manche Haushalte möchten ihren Energieverbrauch selbst verwalten und sogar autark wirtschaften, indem sie Energie selbst produzieren und mit Hilfe von Smart Metern und innovativen Kommunikationsmitteln energiesparend einsetzen.